Vor der Tarifrunde in der Brot- und Backwarenindustrie
Düsseldorf, 5. November 2026 – Liefer- und große Filialbäckereien halten Beschäftigung wie Ausbildung stabil und investieren in ihre deutschen Standorte. Der erste Branchenmonitor des Verbandes Deutscher Großbäckereien zeigt zugleich, wie schmal die Basis dafür ist.

Vor Beginn der zu erwartenden Lohn- und Gehalts-Tarifverhandlungen in der Brot- und Backwarenindustrie im kommenden Frühjahr verweist der Verband daher auf die wirtschaftliche Lage der Branche, die den Verteilungsspielraum eng begrenzt.
Löhne über dem Niveau vergleichbarer Branchen
Wer in einer deutschen Großbäckerei arbeitet, verdient bereits heute mehr als in vielen anderen Bereichen der Ernährungswirtschaft und des verarbeitenden Gewerbes. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Tarifpolitik zwischen dem Verband und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Dieses Niveau zu halten, ist die eigentliche Aufgabe der kommenden Runde.
Beschäftigung stabil, Ausbildungsplätze besetzt
Der erste Branchenmonitor des Verbandes zeigt eine Branche, die an ihren Leuten festhält: 81 Prozent der befragten Betriebe erwarten eine gleichbleibende oder wachsende Beschäftigtenzahl, ein Viertel plant sogar den Aufbau von Stellen. 92 Prozent konnten ihre Ausbildungsplätze vollständig oder größtenteils besetzen. Während in großen Teilen der deutschen Industrie über Standortverlagerungen und Personalabbau gesprochen wird, bleiben die Arbeitsplätze in den Großbäckereien stabil.
Investiert wird in Deutschland
44 Prozent der befragten Betriebe wollen ihre Investitionen im kommenden Jahr steigern, weitere 38 Prozent wollen sie auf dem gleichen Niveau halten. Dabei fließt das Geld in die bestehenden Standorte: in Anlagentechnik, Digitalisierung und Energieeffizienz. Sämtliche befragten Unternehmen setzen bereits Maßnahmen zur Energieeffizienz um. Diese Investitionen sind die Voraussetzung dafür, dass die Beschäftigung stabil bleibt.
Eine Altersversorgung, die beide Seiten tragen
Zum Entgelt kommt eine betriebliche Altersversorgung, die Verband und Gewerkschaft seit 1970 gemeinsam tragen: die Zusatzversorgungskasse für die Beschäftigten der Deutschen Brot- und Backwarenindustrie. Sie wird von den Arbeitgebern allein finanziert und zahlt den Beschäftigten eine Beihilfe zur gesetzlichen Rente. Daneben gibt es tarifliche Regelungen zur Entgeltumwandlung und Qualifizierung.
Der Spielraum ist eng
Stabil heißt nicht sorgenfrei. 56 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre Geschäftslage lediglich als befriedigend, 19 Prozent als schlecht. 44 Prozent sehen eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr, nur 13 Prozent eine Verbesserung. Ein Viertel meldet eine schlechte Kapazitätsauslastung, und drei Viertel erwarten, dass sich daran in den kommenden zwölf Monaten nichts ändert.
Die Kosten steigen dabei auf breiter Front: bei 94 Prozent der Betriebe in Logistik und Verpackung, bei 87 Prozent beim Personal, bei 67 Prozent in der Energie. Für 56 Prozent zählt die Bürokratie zu den größten Kostensorgen. Am Markt lässt sich davon kaum etwas weitergeben: 69 Prozent haben ihre Verkaufspreise in den vergangenen zwölf Monaten weitgehend stabil gehalten, weil notwendige Erhöhungen am Markt nicht durchsetzbar waren. 63 Prozent der Bäckereien nennen den Preisdruck im Handel entsprechend als größte Herausforderung der kommenden zwölf Monate.
Das macht deutlich: Der Spielraum für lineare Erhöhungen ist in dieser Runde schmal. Aus Sicht des Verbandes gehören deshalb auch verlängerte Laufzeiten zur Lösung: Sie geben beiden Seiten Planungssicherheit – den Unternehmen für Lieferverträge und Investitionsentscheidungen, den Beschäftigten für ihre persönliche Finanzplanung.
„Wer auf die Entgelttabelle schaut, sieht nur die Hälfte“, sagt Norbert Lötz, Präsident des Verbandes Deutscher Großbäckereien. „Wir sprechen über ein Gesamtpaket aus verlässlichem Entgelt, gemeinsam mit der Gewerkschaft aufgebauter Altersversorgung, Qualifizierung und einem Arbeitsplatz, der auch dann noch da ist, wenn andere Branchen Kurzarbeit anmelden. Dieses Paket zu erhalten, ist unser Ziel in dieser Tarifrunde.“
Früh reden, zügig abschließen
Der Verband wirbt für einen schnellen Einstieg in die Verhandlungen. „Wir verdeutlichen unsere Position, bevor die Positionen ausgetauscht werden. Das ist ungewöhnlich, aber ehrlich“, sagt Hauptgeschäftsführer Tobias Schuhmacher. „Sicherheit und gute Arbeitsbedingungen bieten wir gern. Beides setzt Augenmaß bei Löhnen voraus, die schon heute zu den höchsten gehören, die in dieser Republik gezahlt werden.“