Pressemeldungen | 02.10.2026

Jahrestagung der Großbäckereien in Hannover

Herausgefordert, nicht überfordert

Hannover, 2. Oktober 2026 – Handwerk und Industrie suchen den Schulterschluss. Das war eine der zentralen Botschaften der Jahrestagung des Verbandes Deutscher Großbäckereien am 1. und 2. Oktober in Hannover. Rund 130 Vertreterinnen und Vertreter großer Filial- und Lieferbäckereien, der Zulieferindustrie, der Wissenschaft sowie der Verbände diskutierten zwei Tage lang über die Zukunft des Brotes, die Qualität des Getreides und das Image der Branche.

Brückenschlag zum Bäckerhandwerk

An der Tagung nahm auch die Spitze des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks teil: Präsident Roland Ermer und Hauptgeschäftsführer Dr. Friedemann Berg. Zu Beginn der Mitgliederversammlung sprach Ermer ein Grußwort. Er und Verbandspräsident Norbert Lötz betonten die gemeinsamen Herausforderungen von Handwerk und Industrie und den Wert der Zusammenarbeit, auch wenn es in einzelnen Punkten Unterschiede gibt. Schon am Vorabend hatte Lötz an das Wir-Gefühl einer Branche appelliert, zu der Handwerk und Industrie gleichermaßen gehören.

Austausch, Einblick und ein Überraschungsgast

Zum Auftakt tagten die Beiräte der Filial-Großbäckereien und der Liefer-Großbäckereien. Danach tauschten sich die Mitgliedsunternehmen über die Themen aus, die die Branche derzeit beschäftigen. Am Nachmittag besichtigten Mitglieder, Fördermitglieder und Gäste das Werk der Harry-Brot Group in Hannover.

Am ersten Abend ergriff beim rustikalen Abendessen überraschend David McAllister das Wort. Er war Ministerpräsident von Niedersachsen und ist heute Mitglied des Europäischen Parlaments. McAllister hielt ein flammendes Plädoyer für die Demokratie und die Einheit Europas, für Netzwerke und Partnerschaften. Trotz seiner schottischen Wurzeln bekannte er sich als großer Brotliebhaber und wünschte der Branche alles Gute.

Vom Lernen bis zur Wahrnehmung des Brotes

Der zweite Tag fand im Backforum der Martin Braun-Gruppe statt. Nach der formellen Mitgliederversammlung begann ein bemerkenswertes Vortragsprogramm.

Dr. Ruben Weiser von der Martin Braun-Gruppe zeigte, wie Unternehmen digitales Lernen als strategischen Hebel nutzen können, um ihre Mitarbeitenden für heutige und künftige Anforderungen zu qualifizieren. Rudolf Hepp, Geschäftsführer der DLG TestService, stellte die Initiative Plattform Ackerbau vor. Das branchenübergreifende Gremium bearbeitet Qualitätsfragen im Getreide entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Prof. Michael Kleinert von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zeichnete das Bild eines Brotes der Zukunft, das genussvoll ist, seinen Preis wert und enkeltauglich. Er sprach über das Vertrauensproblem der Branche und über die Debatte um ultraprozessierte Backwaren.

Bernd Kütscher, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bäckerei Achim Lohner, spannte den Bogen von den Wurzeln der Brotkultur bis zu den sozialen Medien. Dort gerate der Wert des Brotes durch reichweitenstarke Beiträge unter Druck. „Wir haben kein Qualitäts-, sondern ein Wahrnehmungsproblem“, sagte Kütscher und plädierte für eine positivere Kommunikation über Brot.

Anschließend diskutierten die Referenten auf dem Podium über die Bedeutung von Brot, über Versorgungssicherheit und über das Image der Branche. Norbert Lötz eröffnete die Runde mit der Feststellung, selten seien die Vorträge einer Jahrestagung so emotional gewesen – „weil wir uns sehr konstruktiv mit uns und der Zukunft auseinandergesetzt haben“.

Zuversicht trotz Gegenwind

In der Mitgliederversammlung gab Lötz auch Einblicke in die vielfältigen Aktivitäten des Verbandes. Sein Fazit: „Die Zeiten sind herausfordernd, aber sie überfordern uns nicht.“ Trotz aller Herausforderungen prägten Optimismus, offener Austausch und der Wille zum gemeinsamen Handeln die beiden Tage in Hannover.

Fotos zur Veröffentlichung frei. Quelle: grossbaecker.de plus Credit im Dateinamen