Statement
Helmut Klemme, Präsident des Verbandes Deutscher Großbäckereien
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen zur Jahrespressekonferenz des Verbandes Deutscher Großbäckereien. Einleitend zwei Hinweise: In ihren Pressemappen finden Sie ergänzende Informationen und alle Texte stehen auch im Internet unter www.grossbaecker.de zum Download bereit.
Die Mitglieder des Verbandes Deutscher Großbäckereien repräsentieren rund 60 Prozent des Branchenumsatzes. Erlauben Sie mir zu Beginn eine kurze Definition der verschiedenen Segmente der Backbranche in Deutschland. Wir unterscheiden Lieferbäcke-reien, Filialbäckereien, SB-Discount-Bäckereien sowie Einzelbäckereien.
• Lieferbäckereien beliefern vor allem den Lebensmittel-Einzelhandel. Sie gibt es in allen Größenordnungen, zum Teil auch als Spezialitäten-Bäckereien für bestimmte Brotsorten.
• Als Filialbäckereien bzw. Systembäckereien bezeichnen wir Bäckereien mit mehr als 20 Filialen, die ihre Produkte über eigene Filialen, zum Teil auch in Vorkassen-Bereichen des Lebensmitteleinzelhandels verkaufen.
• SB-Discount-Bäckereien verkaufen ihre Backwaren über Selbstbedienung im Niedrigpreis-Segment ebenfalls in eigenen Filialen.
• Einzel-Bäckereien sind mehr handwerklich orientierte Bäckereien, die aber ebenfalls bis zu 20 Filialen haben können.
Gesamtumsatz der Brot- und Backwarenbranche bei rund 15 Milliarden €
Meine Damen und Herren, wir schätzen den Gesamtumsatz der Brot- und Backwaren-Branche im Jahre 2007 auf rund 15 Milliarden €. Davon entfallen etwa sechs Milliarden € auf die Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel, fünf Milliarden € auf größere Filialbäckereien sowie zwei Milliarden € auf Einzel-Bäckereien. Hinzukommen etwa zwei Milliarden € für den Bereich Dauerbackwaren.
Die Großbäckereien konnten ihren Marktanteil weiter auf rund 60 Prozent ausbauen. Die Struktur der Branche wird sich allerdings weiter ändern: Insbesondere der Anteil der Einzelbäckereien wird in Zukunft sinken. Wenn viele dieser mittelständischen Betriebe aufgeben, so liegt das übrigens in den meisten Fällen an ungelösten Nachfolgeproblemen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Backbranche nicht von vielen anderen mittelständisch geprägten Branchen in Deutschland.
Auch der Lebensmitteleinzelhandel wird seinen Anteil bei Brot- und Backwaren von zurzeit knapp über 60% aus unserer Sicht weiter vergrößern:
• Das Brot- und Backwarenangebot im Handel ist deutlich vergrößert worden. Back-shops in den Vorkassenbereichen, eigene Brotregale, Aufbackstationen oder zusätzliche Angebote in den Tiefkühltheken lauten hier die Stichworte.
• Die Verbraucher sind „bequemer“ geworden, das heißt, sie möchten möglichst viele Wareneinkäufe an einer Stelle erledigen. „One-stop-shopping“ lautet hier das Stich-wort.
• Die Verbraucher sind auch aufgrund der geringeren Kaufkraft preisbewusster ge-worden. Eine solche Einstellung fördert Einkäufe beim Discounter.
Großbäckereien sichern Brotkultur und Produktvielfalt
Meine Damen und Herren, viele befürchten, dass bei einem weiteren Rückgang der Einzelbäckereien auch die deutsche Brotkultur leidet, dass die Vielfalt eingeschränkt wird. Solche Befürchtungen sind unberechtigt: Es gibt kaum ein Land auf der Welt, in dem das Angebot an Brot- und Backwaren so vielfältig ist wie in Deutschland. Daran haben die Großbäckereien einen entscheidenden Anteil. Ohne sie wäre die Brotkultur in Deutschland ärmer. Fast alle Produktinnovationen der letzten Jahre sind von Großbä-ckereien entwickelt worden. Dazu gehört zum Beispiel das Toastbrot. Großbäckereien garantieren den Verbrauchern auch in Zukunft Qualität, Vielfalt und Genuss, vor allem aber Produktsicherheit.
Brotverzehr in Deutschland weiter auf hohem Niveau
Auch auf den Brotverzehr in Deutschland werden die weiteren Strukturänderungen keinen Einfluss haben. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Bäckereien und der Höhe des Brotverzehrs. Das belegen auch Beispiele aus anderen Ländern. Hinzukommt, dass die Verbraucher auf Brot nicht verzichten wollen. Nach Angaben der ZMP besinnen sich in Zeiten steigender Lebensmittelpreise die Verbraucher offensichtlich wieder stärker auf das Brot. Die Einkaufsmengen der Privathaushalte an Brot sind in Deutschland jedenfalls im ersten Halbjahr 2008 um fast drei Prozent gestiegen. Brot kann als eine der nach wie vor preiswertesten Möglichkeiten der Ernährung gelten.
Betrachtet man ausschließlich die produzierte Menge an Brot in Deutschland, so liegt der Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung 2007 bei ca. 80 Kilogramm. Der tatsächliche Verbrauch ist allerdings niedriger, weil hier Retouren und die in den Haushalten nicht verzehrten Broteinkäufe berücksichtigt werden müssen.
Branche kämpft mit Kostensteigerungen
In der letzten Jahrespressekonferenz habe ich über die Preissteigerungen insbesondere bei Brotgetreide berichtet. Die Branche hat diese Preissteigerungen nur teilweise weitergeben können. Aber auch nach diesen unvermeidlichen Preiserhöhungen gilt nach wie vor unverändert, dass Lebensmittel im Vergleich zu allen anderen Ländern der Europäischen Gemeinschaft preiswert sind. In Deutschland sind 2007 die Lebensmittelpreise insgesamt um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Beim Brot lagen die Preissteigerungen unter dem Durchschnitt – trotz der Preissteigerungen vor allem beim Weizen.
Meine Damen und Herren, beim Getreide hat sich der Markt etwas entspannt. Allerdings sind die Rohstoffmärkte nach wie vor instabil. Die Weltbevölkerung steigt und damit auch die Nachfrage. Weitere Kostensteigerungen sind deshalb nicht auszuschließen.
Hinzukommen weitere Bereiche, in denen die Branche mit zusätzlichen Kosten rechnen muss: Die Energiepreise laufen völlig aus dem Ruder. Die Auswirkungen auf die Logistik sind beträchtlich, vor allem wenn Sie die steigenden Kosten für die LKW-Maut zusätzlich einbeziehen. Auch die Forderungen der Gewerkschaft NGG für die kommende Tarifrunde liegen deutlich höher als in den vergangenen Jahren. Und nicht zuletzt sind auch die Kosten für Verpackungen wie Folien oder Kartons deutlich gestiegen.
Großbäckereien bieten auch in Zukunft sichere Arbeitsplätze
Auch in Zukunft, meine Damen und Herren, bieten die Großbäckereien in Deutschland ihren rund 35.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sichere Arbeitsplätze. Im letzten Jahr hat es bei Großbäckereien keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben. Allerdings haben viele Großbäckereien Probleme bei der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs.
Angesichts der offensichtlichen Mängel in der schulischen und beruflichen Aus- und Weiterbildung muss die Wirtschaft, und dazu zählen auch die Großbäckereien, eine qualifizierte Ausbildung noch mehr als bisher als eigene Verpflichtung ansehen. Unsere Betriebe bilden in zahlreichen Berufen aus, zum Beispiel Bäcker, Berufskraftfahrer, Elektroniker, Mechatroniker, Fachpacker, Industriemechaniker und –kaufleute sowie Fachkräfte für Lebensmitteltechnik. Im Interesse der Branche werden wir auch zukünftig durch eigene Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung gewährleisten, dass unsere Betriebe die qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die sie benötigen.
Nur so können wir gewährleisten, dass die Großbäckereien auch in Zukunft Vielfalt, Genuss und Sicherheit bei Brot und Backwaren garantieren.






